Das Gutenberg Forschungskolleg (GFK) wurde 2007 als zentrales strategisches Instrument zur Förderung der Spitzenforschung an der JGU gegründet. Es ist mit einem Etat von zwei Millionen Euro pro Jahr ausgestattet, die zu gleichen Teilen vom Land Rheinland-Pfalz und von der JGU aufgebracht werden. Das Leitungsgremium des GFK wird von exzellenten Forscherpersönlichkeiten der JGU und außeruniversitärer Forschungsinstitute gebildet. Die Präsidentin oder der Präsident der JGU beruft sie im Einvernehmen mit dem Senat auf der Basis ihrer individuellen Forschungsleistung. Das GFK hat zwei Funktionen: Es berät das Präsidium in strategischen Fragen der Forschung und fördert individuelle Exzellenz durch Vergabe von Fellowships für herausragende Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sowie Künstlerinnen und Künstler.
GFK-Fellows können in der Regel von Aufgaben in der Lehre und der Selbstverwaltung befreit werden und sich somit intensiv der Forschung widmen. Dieses Förderinstrument ist nicht auf die Profilbereiche der JGU beschränkt, hat sich jedoch als sehr erfolgreich bei deren gezielter Unterstützung erwiesen und stärkt die Konkurrenzfähigkeit der JGU.
Das GFK-Fellowship sichert den Fellows erstklassige Forschungsbedingungen. Fellows können von der Lehre teilweise oder vollständig freigestellt werden. Zum Ausgleich für das wegfallende Lehrdeputat in Fachbereichen erhalten diese entsprechende Mittel für die Vertretung. GFK-Fellowships können an externe exzellente Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sowie Künstlerinnen und Künstler vergeben werden, um diese nach Mainz zu holen, aber auch an besonders herausragende Forscherinnen und Forscher der JGU. Um die Nachhaltigkeit der damit verbundenen Schwerpunktsetzung zu sichern, geht mit der Vergabe eines externen GFK-Fellowships zumeist eine Berufung an die JGU auf Dauer einher. Des Weiteren gibt es in Ausnahmefällen GFK-Fellowships, die für die Stärkung von Forschungskooperationen genutzt werden können. Die Fachbereiche und Institute der JGU können Ideen für die optimale Gestaltung von GFK-Fellowships in Ihren Forschungsbereichen einbringen.
Seit 2017 wird eine weitere Art von GFK-Fellowships ausgeschrieben, die sogenannte „Zielgerade“. Dieses Fellowship soll den Abschluss eines großen Publikationsprojekts oder eines bedeutenden künstlerischen Werks ermöglichen. Durch ein GFK-Fellowship „Zielgerade“ werden im Wesentlichen Mittel zur Verfügung gestellt, mit denen für zwei Semester eine Vertretung für die Lehre eingestellt werden kann.
Das Gutenberg Forschungskolleg vergibt seit 2012 jährlich den Gutenberg Research Award an international herausragende, im Ausland tätige Forscherpersönlichkeiten. Damit setzt es die Praxis fort, welche die Graduiertenschule MAINZ im Jahr 2006 mit der Auszeichnung anerkannter Materialwissenschaftlerinnen und -wissenschaftler begründet hat.
Das Leitungsgremium des GFK berät das Präsidium der JGU in strategischen Fragen, die Forschung und Kunst betreffen. Dabei haben sich im Laufe der vergangenen Jahre verschiedene Schwerpunkte entwickelt:
In der Exzellenzstrategie des Bundes und der Länder unterstützt das GFK-Leitungsgremium das Präsidium der JGU sowie Antragsgruppen für Exzellenzcluster, beispielsweise durch kritisches Feedback und Probebegutachtungen.
Das GFK-Leitungsgremium ist intensiv in den Auswahlprozess zur Forschungsinitiative Rheinland-Pfalz eingebunden. In Abstimmung mit dem Vizepräsidenten für Forschung und wissenschaftlichen Nachwuchs der JGU organisiert das GFK externe Begutachtungsverfahren und erarbeitet in Workshops Empfehlungen zur Förderung von Profil- und Potentialbereichen.
Auch in seiner Kernaufgabe der Förderung individueller Exzellenz durch Vergabe von GFK-Fellowships fließen immer wieder strategische Überlegungen ein. Zum einen wird das Förderinstrument der GFK-Fellowships zunehmend für Berufungen auf strategisch wichtige Professuren genutzt. Zum anderen wird auch bei anderen Anträgen auf GFK-Fellowships immer wieder auf strategische Überlegungen zur nachhaltigen strukturellen Stärkung der antragstellenden Bereiche geachtet. Individuelle Förderung und strategische Überlegungen sind hier eng verzahnt.
Das GFK macht sich die interdisziplinäre Vernetzung exzellenter Forschungsbereiche der Johannes Gutenberg-Universität Mainz (JGU) zur Aufgabe und hat zu diesem Zweck das GFK-Netzwerk eingerichtet. Der Kreis der Mitglieder des GFK-Netzwerks umfasst die GFK-Fellows und die Mitglieder des Leitungsgremiums. Mit dem Ziel der Vernetzung im Rahmen eines informellen Austauschs können weitere Mitglieder dazukommen, neben dem Präsidium und den Dekaninnen und Dekanen der Fachbereiche vor allem die Vertreterinnen und Vertreter der großen Forschungsbereiche der JGU.
Im GFK-Netzwerk soll auf informelle Weise ein Dialog zwischen den wissenschaftlichen Disziplinen und zwischen verschiedenen Ebenen der JGU initiiert werden. Sowohl kleinere Veranstaltungen wie Vorträge der GFK-Fellows als auch größere öffentliche Veranstaltungen wie die Verleihung des Gutenberg Research Award bieten regelmäßig die Gelegenheit, diesen Dialog zwanglos zu führen.
Das oberste Prinzip des GFK ist die Verpflichtung zur wissenschaftlichen bzw. künstlerischen Exzellenz – ohne die Vorgabe bestimmter bevorzugter Fachrichtungen. Um die größtmögliche Fairness und Transparenz der Entscheidungsprozesse des GFK zu sichern, werden Mittel und Unterstützung des GFK nur nach Einreichung eines entsprechenden Antrags bewilligt. In diesem Antrag müssen die besondere wissenschaftliche oder künstlerische Exzellenz dargestellt werden sowie der nachhaltige Mehrwert, den die Förderung für die JGU bieten soll.
Antragsberechtigt sind:
- Fachbereiche, der Senat und die Universitätsleitung der JGU;
- kleinere Einheiten wie Institute oder einzelne Wissenschaftler*innen und Künstler*innen, die jedoch den Dienstweg über ihren Fachbereich einhalten müssen;
- mehrere solcher Einheiten (gegebenenfalls auch unter Einbeziehung weiterer interner oder externer Institutionen, wie Max-Planck-Institute, Profil- und Potentialbereiche oder große Verbundforschungsprojekte), die gemeinsam einen Antrag stellen.
Bitte beachten Sie die Antragsfristen und den Leitfaden mit weiteren Informationen zu Anträgen auf GFK-Fellowships.
Im Wesentlichen sind zwei unterschiedliche Arten von Anträgen möglich:
a) Strategische Berufungen einer Kandidatin/eines Kandidaten auf eine Professur an der JGU, bei denen das GFK von Beginn an in das Berufungsverfahren eingebunden ist – zudem ist der Präsidialbereich frühzeitig über die Pläne zu informieren. Bitte beachten Sie, dass eine Unterstützung anderer Berufungsverhandlungen durch das GFK nur in Ausnahmefällen möglich ist und unter Variante b fällt, d.h. dass die dort genannten Antragsfristen sowie Maximalfördersumme und -dauer zu beachten sind.
b) sonstige GFK-Fellowships: Die Beantragung ist zweimal im Jahr zu festen Fristen möglich. In diesen Fällen können in der Regel bis zu 300.000 € für bis zu 3 Jahre beantragt werden.
Wenn Sie einen Antrag planen, orientieren Sie sich bitte an den Informationen im Leitfaden zur Antragstellung (zum Download). Fragen hierzu werden Ihnen GFK-Direktorin und -Geschäftsführung gerne beantworten – kontaktieren Sie uns unbedingt frühzeitig! Die wesentlichen fachlichen Inhalte der Anträge müssen in englischer Sprache vorliegen, sonst ist keine Begutachtung möglich. Nutzen Sie bitte das Antragsformular für GFK-Fellowships (zum Download).
Vor der Antragstellung ist ein Gespräch mit der GFK-Direktorin vorgesehen. Bitte nehmen Sie Kontakt mit der Geschäftsführung des GFK bzw. mit der GFK-Direktorin auf. Falls ein abgelehnter Antrag erneut eingereicht werden soll, soll vor Überarbeitung des Antrags ein Gespräch mit der GFK-Leitung und -Geschäftsführung erfolgen und der Antrag signifikant überarbeitet werden.
Antragsfrist und Präsentationstermin:
Neue Anträge werden gebündelt in einer Sitzung des Leitungsgremiums gegen Ende des Semesters präsentiert und vergleichend diskutiert. Die Antragsfrist für das Sommersemester endet jeweils am 15. Juni, die Frist für das Wintersemester am 15. Dezember. Bitte achten Sie darauf, dass Sie frühzeitig einen Termin für ein Vorgespräch mit der GFK-Direktorin vereinbaren.
Eine Entscheidung über die Förderung wird jeweils für den Beginn des auf die Antragstellung folgenden Semesters angestrebt.
Zurzeit sind folgende Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler mit einem GFK-Fellowship an der JGU tätig:
Panagiotis Agapitos ist Professor für Byzantinische Literatur und Kultur an der Universität Zypern und als GFK-Fellow am Arbeitsbereich Byzantinistik am Historischen Seminar der JGU tätig. Er wird mit seinen Kolleginnen und Kollegen am Leibniz-WissenschaftsCampus „Byzanz zwischen Orient und Okzident“ zusammenarbeiten und sich an der Arbeit des Graduiertenkollegs 2304, „Byzanz und die euromediterranen Kriegskulturen“, beteiligen.
In den letzten Jahrzehnten hat er maßgeblich zur byzantinischen Literaturgeschichte beigetragen und durch seine Tätigkeiten in Zypern sowie in etablierten internationalen Universitäten (u.a. Harvard, Berlin, Paris, Stanford) die Byzantinistik weltweit mitgeprägt. Seine Monographie zu den spätbyzantinischen volkssprachlichen Romanen sowie mehrere seiner Aufsätze zur Narratologie und Gattungstheorie waren wegbereitend für die Einführung neuer Methoden und literaturtheoretisch motivierter Interpretationsansätze in die Erforschung der byzantinischen Literatur. Als GFK-Fellow wird er an seine letzten Forschungen zur Periodisierung, Wissenschaftsgeschichte, Methodologie der Literaturgeschichtsschreibung und anderen Themen der byzantinischen Literaturgeschichte anknüpfen und plant die Erstellung und Veröffentlichung einer „A Narrative History of Byzantine Literature, AD 1050-1500“.
Maarten Boonekamp forscht am CEA in Saclay in Frankreich und als Mitglied der ATLAS-Kollaboration am CERN. Sein Forschungsschwerpunkt liegt auf der Entwicklung von Detektoren für die Nutzung in großen Experimenten in der Teilchenphysik. Dafür erhielt er 2011 einen ERC Starting Grant und 2024 einen ERC Advanced Grant und wurde 2015 mit dem Joliot-Curie-Preis der französischen physikalischen Gesellschaft ausgezeichnet. Als GFK-Fellow wird er mit Mainzer Kollegen am Detektorsystem des P2-Experiments arbeiten und die Forschung im Exzellenzcluster PRISMA++ und im Sonderforschungsbereich 1660, „Hadronen und Kerne als Entdeckungsinstrumente“, stärken.
Seit April 2021 ist Dorothee Dormann Professorin für Molekulare Zellbiologie an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz sowie Adjunct Director am Institut für Molekulare Biologie (IMB) in Mainz. Sie ist eine international anerkannte Forscherin auf dem Gebiet der molekularen Neurodegeneration und untersucht, wie Kerntransportprozesse, Phasentrennung, RNA-Prozessierungsfunktionen sowie post-translationale Modifikationen von RNA-Bindeproteinen in gesunden Zellen reguliert werden, und wie diese Prozesse in neurodegenerativen Erkrankungen und während des Alterns gestört sind.
Zuvor leitete Dormann eine Emmy Noether-Forschungsgruppe an der Ludwig-Maximilians-Universität München. Für ihre Forschung wurde sie unter anderem mit dem Heinz-Maier-Leibnitz-Preis 2014 sowie dem Paul Ehrlich- und Ludwig Darmstädter-Nachwuchspreis 2019 geehrt. Kürzlich erhielt sie eine Förderung im Heisenberg-Programm der DFG.
In ihrer Forschung wird sie mit Kolleginnen und Kollegen an der JGU, insbesondere im Profilbereich Resilience, Adapatation and Longevity (ReALity), und Kooperationspartnerinnen und -partnern an weiteren Instituten in Mainz und der Rhein-Main-Region zusammenarbeiten und zur Forschung auf verschiedenen Gebieten der Lebenswissenschaften, wie Genregulation, Genomstabilität, Neurobiologie, Stressresilienz und Langlebigkeit/Altern, beitragen.
Jan Esper ist seit 2010 Professor für Klimageographie an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz. Er hat die Mainzer Klimageographie zu einer international sichtbaren Forschungsgruppe auf dem Gebiet der Paläoklimatologie mit Methoden der Baumringanalyse und anderen paläoklimatischen Archiven aufgebaut. Zum Verständnis des aktuell ablaufenden anthropogen bedingten Klimawandels sind solche Analysen der natürlichen Klimavariabilität unverzichtbar. Auch jenseits seines engeren Forschungsgebietes, der Dendrochronologie, trägt er zum Erkenntnisfortschritt in der Klimatologie bei, in den letzten Jahren unter anderem durch Publikationen zur rezenten Sommerdürre in Europa, zum Stadtklima oder zu den klimatisch bedingten Schwankungen europäischer Getreidepreise.
Seit Februar 2018 ist Jan Esper gewähltes Mitglied der Akademie der Wissenschaften und der Literatur in Mainz. Nach zahlreichen nationalen und internationalen Drittmitteleinwerbungen hat er zuletzt einen ERC Advanced Grant zur Erforschung klimabedingter Baumwachstumsveränderungen in den Wäldern der Nordhemisphäre eingeworben. Als GFK-Fellow wird er einen neuen Schwerpunkt seiner Forschung auf quantitative Holzanatomie legen und damit neue Techniken etablieren, die zur Klärung des Divergenz-Problems, dem Auseinanderklaffen von Temperaturen und Baumjahrringen seit den 1960er-Jahren, beitragen sollen.
Stefan Hirschauer ist Professor für Soziologische Theorie und Gender Studies an der JGU. Er ist Experte für soziologische Theorie, qualitative Sozialforschung, Soziologie des Körpers, Science Studies und Gender Studies und hat zur Weiterentwicklung dieser unterschiedlichen Gebiete mit vielgelesenen Publikationen und neuen theoretischen und methodischen Konzepten entscheidend beigetragen. Zu seinen bekanntesten Werken gehören sein bereits in fünfter Auflage erschienenes Buch „Die soziale Konstruktion der Transsexualität“, der von ihm mit herausgegebene Sammelband „Die Befremdung der eigenen Kultur“ als Standardwerk zur ethnographischen Forschung sowie seine mehrfach wieder abgedruckten Aufsätze „Die Praxis der Fremdheit und die Minimierung von Anwesenheit“ über die Konstitution von Fremdheit in Fahrstühlen und „The Manufacture of Bodies in Surgery“. Für seine Publikationen hat er mehrfach Auszeichnungen erhalten und wird regelmäßig an soziologische und andere kulturwissenschaftliche Forschungs- und Lehreinrichtungen eingeladen.
Von 2013 bis 2019 war Stefan Hirschauer Sprecher der interdisziplinär zusammengesetzten DFG-Forschungsgruppe „Un/doing Differences. Praktiken der Humandifferenzierung“ an der JGU und hat hierzu in den letzten Jahren mehrere breit rezipierte Aufsätze und einen Sammelband veröffentlicht. An die Forschungen dieser Gruppe wird er als GFK-Fellow anknüpfen, um seine empirisch gestützte Theorie der Humandifferenzierung weiterzuentwickeln und damit diverse Phänomene der kulturellen Klassifikation von Menschen – nach Alter, Geschlecht, Leistung, Ethnizität, „Rasse“, Nation, Religion etc. – vergleichbar und ineinander übersetzbar zu machen.
Maria Ivanova-Bieg promovierte mit einem Thema über die Siedlungsarchäologie und Befestigungsarchitektur im ägäisch-anatolischen Raum und auf dem Balkan an der Universität Tübingen. Danach war sie an der Römisch-Germanischen Kommission des Deutschen Archäologischen Instituts in Frankfurt am Main, am Institut für Ur- und Frühgeschichte und Vorderasiatische Archäologie der Universität Heidelberg sowie an der Universität Wien tätig.
Seit 2023 ist Ivanova-Bieg Professorin für Vor- und Frühgeschichtliche Archäologie am Institut für Altertumswissenschaften der JGU. Sie forscht an der Schnittstelle von Archäologie, Anthropologie und Naturwissenschaften und widmet sich mit geistes- und vor allem naturwissenschaftlicher Methodik der Erforschung der materiellen Kultur im Hinblick auf soziale, kulturelle und naturräumliche Verbindungen mit Fokus auf überregionalen, transkontinentalen Entwicklungen.
In den letzten Jahren initiierte sie mehrere internationale Forschungsprojekte, die sich mit Schlüsselthemen der prähistorischen Archäologie wie der Ausbreitung der frühesten agro-pastoralen Gesellschaften, der Entwicklung soziopolitischer Komplexität in der Kupferzeit Europas und der Entstehung weiträumiger Netzwerke im Schwarzmeer- und Mittelmeerraum beschäftigen. Dabei integriert sie Methoden der Bioarchäologie und der computergestützten Modellierung, um die Umwelt, die Lebensbedingungen und die Lebensgeschichten von Menschen, Tieren und Pflanzen in der Vergangenheit zu rekonstruieren. An der JGU plant sie, an diese Forschungen anzuknüpfen und in Zusammenarbeit mit Mainzer Kolleginnen und Kollegen unter anderem Fragen nach Konzepten zur Nachhaltigkeit in der Vergangenheit zu stellen, die auch eine neue Perspektive für aktuelle Debatten um Nachhaltigkeit und Klimawandel bieten können.
Gerhard Lauer verbindet in seiner Forschung erfolgreich philologische Fragen mit spezialisierten editions- und buchwissenschaftlichen Herangehensweisen und gilt als einer der Vorreiter der Öffnung der Germanistik für Fragestellungen und Methoden der Digital Humanities. Darüber hinaus hat er entscheidende Impulse für die empirische Rezeptionsforschung gegeben und einer Neuausrichtung der Literaturwissenschaft im Hinblick auf kognitive und empirische Ansätze den Weg bereitet.
Nach Professuren in Göttingen und Basel wird Gerhard Lauer ab Herbst 2021 als Professor für Buchwissenschaft an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz mit den Schwerpunkten der empirischen Leseforschung und der Digitalen Buchwissenschaft seine Arbeit fortsetzen.
Mária Lukácová-Medvidová ist Professorin für Numerische Mathematik an der JGU. Sie ist Expertin im Bereich der Numerik und der Analysis partieller Differentialgleichungen, insbesondere in der Kombination mit der mathematischen Modellierung von Anwendungsfragen und wissenschaftlichem Rechnen. Die von ihr behandelten partiellen Differentialgleichungen entstammen verschiedenen wissenschaftlichen Kontexten, typischerweise im Bereich der Hydrodynamik, der statistischen Physik, der Geophysik, der Meteorologie, in den Ingenieurwissenschaften und der Medizin (Hämodynamik). Sie beschäftigt sich dabei besonders mit sogenannten hyperbolischen Erhaltungsgesetzen, die den meisten physikalischen, biologischen und mechanischen Prozessen zugrunde liegen.
Ein aktueller Schwerpunkt ihrer Forschung ist die mathematische Analyse fluiddynamischer Systeme und theoretische Untersuchung von Simulationsverfahren. Mária Lukácová-Medvidová spielt eine zentrale Rolle in mehreren Forschungsverbünden der JGU. Sie ist Mitglied der Steuerungsgruppe im Mainz Institute of Multiscale Modeling (M3ODEL), stellvertretende Sprecherin im Sonderforschungsbereich „Multiskalen-Simulationsmethoden für Systeme der weichen Materie“ und Mitglied des Sonderforschungsbereichs „Waves to Weather“. Ihr Ziel ist die Entwicklung neuer mathematischer und rechnergestützter Techniken, um anspruchsvolle naturwissenschaftliche Fragen zu klären.
Der Biochemiker Christoph Reinhardt promovierte an der Ludwig-Maximilians-Universität München im Fach Humanbiologie über die Pathomechanismen der Immunothrombose, einer zentralen Funktion des angeborenen Immunsystems in der Mikrozirkulation, welche die systemische Ausbreitung invasiver Mikroorganismen im Falle einer Infektion durch die Aktivierung der plasmatischen Gerinnung verhindert. Während seinem Postdoktorat als EU Marie Curie Research Fellow am Wallenberg-Laboratorium für kardiovaskuläre Forschung an der Universität Göteborg untersuchte er die Rolle des Darmmikrobioms und der durch Gerinnungsfaktoren induzierten Signalmechanismen, welche die Vaskularisierung des Dünndarms fördern. Um vaskuläre Mikrobiota-Wirt-Interaktionen zu entschlüsseln, etablierte Christoph Reinhardt im Rahmen seiner Juniorprofessur am Centrum für Thrombose und Hämostase (CTH) der Universitätsmedizin Mainz keimfreie Mausisolatortechnologie (Gnotobiotik), mit der er die molekularen und zellulären Mechanismen erforscht, die durch die mikrobielle Kolonisierung der Körperoberflächen auf das Gefäßsystem wirken und so die Entstehung kardiovaskulärer Erkrankungen beeinflussen. Seine Arbeitsgruppe konnte erstmals nachweisen, dass das Mikrobiom die arterielle Thrombusbildung fördert. Als GFK-Fellow wird er diese Forschungsrichtung, eine innovative konzeptionelle Verbindung zwischen der Immunologie und der Gefäßbiologie, an der JGU weiterentwickeln.
Carsten Streb forscht und lehrt seit April 2022 als GFK-Fellow und Professor für Anorganische Funktionsmaterialien an der JGU. Nach dem Studium an der TU Kaiserslautern und der Promotion an der University of Glasgow habilitierte er sich an der Universität Erlangen-Nürnberg und war von 2013 bis 2022 an der Universität Ulm und dem Helmholtz-Institut Ulm tätig. Seine Forschungsinteressen liegen an der Grenze zwischen Grundlagen- und Anwendungsforschung und adressieren globale Herausforderungen in den Bereichen Energiewandlung und -speicherung sowie im Gesundheitswesen und der Trinkwasserversorgung. Dazu entwickelte er mit seinem interdisziplinär aufgestellten Arbeitskreis neuartige Materialien und Komposite auf der Basis molekularer Metalloxide. Diese werden zum Beispiel in den Bereichen Photokatalyse, elektrokatalytische Wasserspaltung, antibakterielle Oberflächen und Trinkwasseraufbereitung eingesetzt.
Seine wissenschaftliche Exzellenz und die Bedeutung seiner Arbeiten spiegeln sich neben zahlreichen viel zitierten Publikationen in vielen drittmittelgeförderten Projekten wider, unter anderem einem kürzlich verliehenen ERC Consolidator Grant für sein Projekt „SupraVox“, mit dem er ein neues Materialdesign für Zukunftstechnologien entwickeln will. An der JGU wird er mit den Kolleginnen und Kollegen aus der Elektrochemie, supramolekularen Chemie, Photokatalyse und Quantenmaterialforschung sicherlich neue Gebiete mit Anwendungsbezug erschließen und den Schwerpunkt der nachhaltigen Chemie weiter ausbauen.
Das Gutenberg Forschungskolleg vergibt seit 2012 jährlich den Gutenberg Research Award an international herausragende, im Ausland tätige Forschende. Damit setzt es die Praxis fort, welche die Graduiertenschule MAINZ im Jahr 2006 mit der Auszeichnung anerkannter Materialwissenschaftlerinnen und -wissenschaftler begründet hat. Das GFK ruft jährlich alle Fachbereiche der JGU zu Vorschlägen auf.
Am 18. Mai 2026 wird das GFK den Gutenberg Research Award 2026 verleihen.
Anna Balazs machte 1975 ihren Bachelor in Physik am Bryn Mawr College, Pennsylvania. Danach studierte sie Materialwissenschaften am Massachusetts Institute of Technology, Cambridge, wo sie 1981 auch promovierte. Seit 1987 ist sie Professorin für Chemieingenieurwesen an der Universität Pittsburgh, wo sie sich auf die Erforschung von Polymer-Verbundwerkstoffen und deren computergestützte Modellierung spezialisiert hat. Sie zählt zu den wenigen theoretischen Forschenden, die dazu in der Lage sind, sowohl innovative Materialkonzepte zu entwickeln als auch computergestützte Methoden, mit denen diese Konzepte getestet und verfeinert werden können. Ihre theoretischen Prognosen führen häufig zu bahnbrechenden Kooperationen mit experimentell arbeitenden Forschenden und zu paradigmenverschiebenden Entdeckungen.
Johannes Kabatek ist Professor für Romanische Philologie mit besonderer Berücksichtigung der iberoromanischen Sprachwissenschaft an der Universität Zürich. Seit 2020 ist er dort zudem Direktor des Kompetenzzentrums „Language & Medicine“. Kabatek zählt zu den renommiertesten romanistischen Sprachwissenschaftlern des deutschsprachigen Raums und darüber hinaus. Von seinen außerordentlichen wissenschaftlichen Leistungen zeugen unter anderem zehn Monografien, 24 Buchherausgaben sowie mehr als 140 wissenschaftliche Aufsätze und 200 Vorträge. Auch im Bereich der Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses setzt er Maßstäbe: Etwa ein Drittel der Verfasserinnen und Verfasser der 25 unter seiner Mitwirkung entstandenen Promotions- und Habilitationsschriften hat heute Professuren unter anderem in Deutschland, Österreich, Spanien, Brasilien und der Schweiz inne.
Johannes Kabatek wurde 1965 in Stuttgart geboren und studierte unter anderem Romanische Philologie und Politikwissenschaft an der Universität Tübingen. 1995 promovierte er mit der Arbeit „Die Sprecher als Linguisten. Interferenz und Sprachwandel im Galicischen der Gegenwart“, die inzwischen ein internationales Standardwerk ist. Seine Habilitationsschrift aus dem Jahr 2000 gilt als Schlüsselwerk der europäischen Rechts-, Geistes- und Kulturgeschichte, dem der Brückenschlag zwischen den Disziplinen auf einzigartige und beeindruckende Weise gelingt.
Paola Arlotta ist Professorin für Stammzellbiologie und regenerative Biologie an der Harvard University. Sie erhält den Gutenberg Research Award für ihre Entdeckungen zur Gehirnentwicklung, zu Neuroentwicklungsstörungen und zu neuartigen Ansätzen zur Heilung von Gehirnerkrankungen. Sie studierte an der Universität Triest Biochemie und promovierte in Molekularbiologie an der Universität Portsmouth, bevor sie an die Harvard University wechselte. Dort widmet sie sich der Erforschung der Entwicklung der Großhirnrinde und hat unter anderem die lange vorherrschende Annahme widerlegt, dass Nervenzellen im Gehirn eine unveränderliche Identität haben, und dadurch dazu beigetragen, ein neues Forschungsfeld zu erschließen. In jüngerer Vergangenheit ist es Arlotta gelungen, aus menschlichen Stammzellen Großhirnrinden-Organoide zu züchten, und hat diese sehr erfolgreich als Modelle für die Entwicklung der menschlichen Großhirnrinde benutzt und so grundlegende Mechanismen von Entwicklungsstörungen des menschlichen Nervensystems aufgedeckt.
Rainer Blatt ist Professor am Institut für Experimentalphysik der Universität Innsbruck und leitet dort eine der weltweit führenden Arbeitsgruppen im Bereich der ionenbasierten Quantencomputer, die Algorithmen für die Festkörper-, Molekular- und Hochenergiephysik simuliert. Er ist ein internationaler Spitzenforscher mit exzellenter Reputation, die er sich unter anderem durch seine bahnbrechenden Experimente für die Quantenoptik erworben hat.
Blatt wurde 1952 in Idar-Oberstein geboren und studierte und promovierte an der JGU. Danach forschte er unter anderem in den USA mit dem späteren Nobelpreisträger John Lewis Hall. Er erhielt bereits zahlreiche wissenschaftliche Auszeichnungen, etwa die Stern-Gerlach-Medaille – die höchste Auszeichnung der Deutschen Physikalischen Gesellschaft –, den John-Stewart-Bell-Preis der University of Toronto und den chinesischen Micius-Quantum-Preis.
Wil Roebroeks ist Professor für Paläolithische Archäologie an der Universität Leiden. Er beschäftigt sich vor allem mit Forschungen zu Neandertalern und früheren eurasischen Hominiden und untersucht unter anderem, wie diese Urmenschen Feuer verwendeten, sich ernährten, Stein bearbeiteten und ihre Umwelt veränderten. Dabei nutzt er Daten, die er selbst durch umfangreiche Ausgrabungen gesammelt hat, unter anderem in den Niederlanden, Frankreich, Russland, Deutschland und England.
Wil Roebroeks ist einer der international führenden Wissenschaftler auf seinem Gebiet und bekannt für seine wegweisenden Arbeiten zur frühesten Besiedelung Europas und Asiens durch den Menschen. Außerdem engagiert er sich auf vielfältige Weise für die wissenschaftliche Community. Roebroeks war von 2011 bis 2021 Vizepräsident der European Society for the Study of Human Evolution und er war Mitglied im Beirat verschiedener Fachzeitschriften und Wissenschaftseinrichtungen, etwa des Römisch-Germanischen Zentralmuseums und des Deutschen Archäologischen Instituts. Er erhielt bereits eine Reihe von Auszeichnungen, darunter den Spinoza-Preis – den höchsten Wissenschaftspreis der Niederlande – und den Forschungspreis der Alexander von Humboldt-Stiftung für international führende Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler.
Corine Defrance forscht seit 1995 am Centre national de la recherche scientifique (CNRS) und lehrt an der Université Paris 1 Panthéon-Sorbonne, Sirice. Ihre Forschungsschwerpunkte sind die deutsche Geschichte im 20. und. 21 Jahrhundert, die deutsch-französischen Beziehungen, der Kalte Krieg in Europa und der Prozess der europäischen Einigung nach dem Zweiten Weltkrieg.
Bekannt ist Defrance unter anderem für ihre Aufarbeitung der deutsch-französischen Beziehungsgeschichte, zu der sie zahlreiche, viel gelesene wissenschaftliche Arbeiten veröffentlicht hat. Einige von diesen, zum Beispiel der von ihr zusammen mit Ulrich Pfeil verfasste Band „Deutschland und Frankreich 1945-1963. Eine Nachkriegsgeschichte in Europa“, gelten als Standardwerke zur historischen Entwicklung des deutsch-französischen Verhältnisses nach dem Zweiten Weltkrieg. In ihren jüngeren Veröffentlichungen hat sich Frau Defrance vor allem Verdienste in der Erforschung transnationaler Versöhnungsprozesse erworben und sich dabei nicht auf die deutsch-französischen Beziehungen beschränkt, sondern eine europäische Perspektive eingenommen.
Corine Defrance untersuchte die Grundlagen französischer Kulturpolitik im besetzten Deutschland 1945-1955 und in diesem Rahmen auch die Universitätsgründung in Mainz sowie den Aufbau des ebenfalls hier ansässigen Instituts für Europäische Geschichte (IEG). Auch in späteren Forschungen wandte Defrance sich wiederholt der Mainzer Universitätsgeschichte zu, wertete Quellen im Universitätsarchiv aus und arbeitete eng mit Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern der JGU zusammen.
Adela Yarbro Collins und John J. Collins sind seit dem Jahr 2000 Professoren an der Yale University, sie als Buckingham Professor of New Testament Criticism and Interpretation Emerita und er als Holmes Professor of Old Testament Criticism and Interpretation. Davor arbeiteten sie jeweils gleichzeitig an der University of Chicago und der University of Notre Dame. Beide waren zudem als Vorsitzende diverser bedeutender wissenschaftlicher Vereinigungen und Konferenzen tätig.
John J. Collins, geboren 1946, veröffentlichte 1984 sein bahnbrechendes Buch „The Apocalyptic Imagination“. Dieses Werk und Collins‘ Kommentar zum Buch Daniel der Hebräischen Bibel gelten inzwischen als Klassiker. Adela Yarbro Collins wurde 1945 geboren. Bereits ihr 1976 erschienenes erstes Buch, „The Combat Myth in the Book of Revelation“, hatte großen Einfluss auf die Forschungen zum Neuen Testament und zur frühen Christenheit. Danach vertiefte sie die Erforschung der Offenbarung des Johannes und widmete sich dem Evangelium nach Markus. Ein bedeutendes religionsgeschichtliches Thema, an dem sowohl Adela Yarbro Collins als auch John J. Collins nach wie vor arbeiten, ist die sogenannte Apokalyptik.
Karin Knorr Cetina ist Professorin für Anthropologie und Soziologie an der University of Chicago. Ihr wissenschaftlicher Werdegang vereint eine ausgeprägte Interdisziplinarität und gelebte Internationalität. Nach dem Studium schloss sie die Promotion im Fach Kulturanthropologie ab. Sie wechselte daraufhin von der Universität Wien an das Institut für Höhere Studien Wien und von dort an die University of California Berkeley. Nach Tätigkeiten an mehreren US-amerikanischen Universitäten kehrte sie 1983 nach Europa zurück auf eine Professur für Sozial- und Kulturtheorie an der Universität Bielefeld. Im Jahre 2001 wechselte sie für neun Jahre auf eine Professur für Soziologische Theorie, Wissens- und Finanzmarktsoziologie an die Universität Konstanz, ab 2004 verbunden mit einer ständigen Gastprofessur an der Universität von Chicago sowie einer Mitgliedschaft des „Center for Advanced Studies in the Behavioral Sciences“ in Stanford. Seit 2010 ist sie Professorin an den Departments für Anthropologie und für Soziologie in Chicago. Karin Knorr Cetina ist regelmäßig Gast in renommierten Forschungseinrichtungen und lehrt an verschiedenen Universitäten – etwa an der Universität Zürich, am WZB Berlin und an der Copenhagen Business School; 2005 erhielt sie die Ehrendoktorwürde der Universität Luzern.
Vishva Dixit studierte Medizin an der Universität von Nairobi in Kenia und der Washington University School of Medicine und war Professor am Department für Pathologie der University of Michigan Medical School. Seit 1997 ist er in verschiedenen Funktionen bei der Firma Genentech mit Sitz in South San Francisco tätig. Gegenwärtig ist Dixit unter anderem Vice President des Bereichs Früherkennungsforschung und leitet das Postdoktorandenprogramm. Er erhält den Gutenberg Research Award für seine wegweisende Forschung zum programmierten Zelltod: Dixit hat mit seinen Erkenntnissen maßgeblich zum Verständnis der genauen Mechanismen des lebensnotwendigen, auch Apoptose genannten Programms, beigetragen. Gleichzeitig arbeitet er an der Umsetzung der gewonnenen Erkenntnisse in die klinische Anwendung mit.
Zu Beginn der 1990er-Jahre legten Vishva Dixit und sein Team den Grundstein dafür, die genauen Mechanismen des Zelltods zu entschlüsseln. Damit gelang es nicht nur, molekulare Komponenten der Zelltodsignalwege zu identifizieren, sondern Dixit und sein Team konnten auch zeigen, welche Mechanismen diesem grundlegenden zellulären Prozess zugrunde liegen. Wegweisende Forschungsbeiträge gelangen Dixit auch auf dem Gebiet der Entzündungskrankheiten und des Immunsystems. So konnte er einen als Inflammasom bezeichneten Komplex von Eiweißen nachweisen, mit dem das körpereigene Immunsystem in der Lage ist, Infektionen zu bekämpfen. Zuletzt konnte Dixit zeigen, welche molekularen Abläufen der Ubiquitin-basierten Signaltransduktion in der Zelle zugrunde liegen und ihre Relevanz für krebserzeugende Prozesse, Entzündungsreaktionen, Autoimmunerkrankungen und Diabetes demonstrieren. Seine Erkenntnisse haben Eingang in die biomedizinischen Lehrbücher gefunden.
Der Gutenberg Research Award 2015 wurde an den Polymerchemiker Kazunori Kataoka (University of Tokyo) und die Theologin Kwok Pui Lan (Episcopal Divinity School, Cambridge/Massachusetts) verliehen. Die Verleihung fand am 4. Mai 2015 im Rahmen der GFK-Jahresfeier statt.
Kazunori Kataoka
Kazunori Kataoka ist einer der renommiertesten Polymerchemiker, der spezifisch Polymere für biomedizinische Anwendungen entwickelt. Bemerkenswert sind seine Nanotransporter auf Basis von langkettigen Molekülen, den Polymeren, die zur zielgerichteten Steuerung von Krebsmedikamenten zu Tumoren und für den Transport von Erbmaterial in der Gentherapie dienen. Er ist Vorreiter eines neuen Konzepts, bei dem Medikamente in Mizellen eingeschlossen werden. Dies sind Aggregate von speziell entwickelten Polymeren. Diese Nanotransporter können dann befallene Gewebe oder Organe gezielt ansteuern. Dazu müssen sie während einer relativ langen Zeit im Blut zirkulieren und sich in Tumoren anreichern. Mehrere unterschiedlich konzipierte Polymermizellen, die Kataoka für die Krebstherapie entwickelt hat, befinden sich derzeit in klinischen Versuchen in verschiedenen Ländern, darunter auch Großbritannien und Frankreich. Die Zulassung eines ersten solchen Polymertherapeutikums steht kurz bevor; dies bestätigt den endgültigen Durchbruch dieses Konzepts.
Kazunori Kataoka hat abgesehen von Gastprofessuren in Europa seine gesamte wissenschaftliche Karriere in Tokio verfolgt, jedoch weltweit Anerkennung erhalten. Er ist Professor am Department of Materials Engineering der Universität Tokio und Mitglied von zahlreichen wissenschaftlichen Fachgesellschaften in Japan und den USA. Der Humboldt-Forschungspreis, in dessen Rahmen er in Mainz mit Mitgliedern des Sonderforschungsbereichs 1066 „Nanodimensionale polymere Therapeutika für die Tumortherapie“ (SFB 1066) zusammenarbeitet, und der NIMS-Award des japanischen National Institute of Materials Science sind hoch angesehene Preise, die er für seine Forschung erhalten hat.
Für die Zusammenarbeit mit der JGU ergeben sich verschiedene Anknüpfungspunkte, zumal in Mainz die Arbeit mit sich selbst organisierenden Nanostrukturen auf Polymerbasis bereits eine längere Tradition hat. Polymertherapeutika und Nanotransporter auf Polymerbasis gelten als zentrales Gebiet der gegenwärtigen Polymerforschung. Entsprechende Ansätze werden nicht nur an der JGU, sondern auch am Max-Planck-Institut für Polymerforschung im Rahmen des SFB 1066 verfolgt. Entscheidend für den Erfolg einer derartigen Forschung ist die enge Zusammenarbeit mit medizinischen Gruppen an der Universitätsmedizin der JGU, wie sie im Sonderforschungsbereich 1066 gegeben ist. Erste gemeinsame Projekte mit der Arbeitsgruppe von Kataoka haben bereits begonnen, was sich auch im Austausch von Doktorandinnen und Doktoranden sowie gemeinsamen Publikationen niederschlägt.
Kwok Pui Lan
Kwok Pui Lan ist William F. Cole Professor of Christian Theology and Spirituality an der Episcopal Divinity School in Cambridge/Massachusetts. Ihr Name steht für einen Paradigmenwechsel in der Missionsgeschichtsschreibung von der Ausbreitung des Christentums als Projekt des „Weißen Mannes“ zur Geschichte lokaler Christentümer. Auch in der interreligiösen Hermeneutik hat Kwok neue Standards gesetzt, indem sie etwa darauf hinwies, dass in Asien die Bibel nur im Kontext der Heiligen Schriften der anderen Religionen gelesen werden kann. Aufgrund ihres interdisziplinären Ansatzes, der feministische und postkoloniale Theorieansätze einbezieht, wird Kwok nicht nur in theologischen Kreisen, sondern auch darüber hinaus beachtet.
Kwok Pui Lan, geboren 1952 in der damals britischen Kronkolonie Hongkong, erhielt ihre Ausbildung zunächst an der Chinese University in Hongkong und im Rahmen der South East Asia Graduate School of Theology. Sie hat an der Harvard University promoviert und hält Ehrendoktortitel von Universitäten in den Niederlanden und Schweden. Die breite Anerkennung, die sie genießt, zeigte sich in ihrer Wahl zur Präsidentin der American Academy of Religion (AAR) im Jahr 2011 – der mit Abstand größten und einflussreichsten Fachvertretung für Religionswissenschaften und Theologie. Kwok Pui Lan wurde mehrfach für ihr wissenschaftliches Werk wie auch für ihre Lehrtätigkeit ausgezeichnet, u.a. mit dem renommierten Lehrpreis der AAR.
Mit der Verleihung des Gutenberg Research Award ehrt die JGU eine herausragende Vertreterin der postkolonialen feministischen Theologie und setzt zudem ein deutliches Signal für die Öffnung der deutschsprachigen akademischen Theologie für interkulturelle Fragestellungen. Die Universität bindet damit eine international anerkannte christliche Intellektuelle, die sich in öffentlichen Diskursen prominent zu Wort meldet, an Mainz. Dadurch ergeben sich weitreichende Möglichkeiten der Zusammenarbeit auf dem Gebiet der interkulturellen Theologie, wie sie an der Professur für Religions- und Missionswissenschaft der Evangelisch-Theologischen Fakultät der JGU vertreten wird. Kooperationen bestehen bereits auf dem Gebiet der Nachwuchsförderung und Entwicklung interkultureller Lehrstrategien.
Ernst Fehr
Ernst Fehr gilt in Fachkreisen seit einigen Jahren als Anwärter für den Ökonomie-Nobelpreis. Der gebürtige Österreicher ist seit 1994 Professor für Mikroökonomik und Experimentelle Wirtschaftsforschung an der Universität Zürich, wo er derzeit das Institut für Volkswirtschaftslehre leitet und dem UBS International Center of Economics in Society vorsteht.
Fehrs führende Rolle in den Wirtschaftswissenschaften zeigt sich neben zahlreichen wirtschaftswissenschaftlichen Spitzenpublikationen in einer Reihe von Rufen an international herausragende Universitäten wie zum Beispiel Berkeley, Princeton, Cambridge, Oxford und an die New York University, die er abgelehnt hat. Zahlreiche hochrangige Veröffentlichungen in psychologischen und neurowissenschaftlichen Top-Zeitschriften sowie 18 Artikel in den naturwissenschaftlichen Fachmagazinen Nature und Science verdeutlichen die interdisziplinäre Breite und Exzellenz von Fehrs Arbeiten.
In seinen Arbeiten analysiert Fehr verschiedene nichtökonomische Faktoren wie beispielsweise Fairness oder Gegenseitigkeit und untersucht, welchen Einfluss sie auf das moderne wirtschaftliche Leben haben. Einen weiteren Schwerpunkt bilden Forschungen zu menschlichem Altruismus, sozialen Präferenzen und sozialen Normen. Mit der Untersuchung der biologischen, hormonellen, genetischen und neuronalen Grundlagen menschlichen Verhaltens konnte er zeigen, wie wichtig es für die Wirtschaftswissenschaft ist, den Menschen nicht mehr als „Homo oeconomicus“ zu betrachten, dessen Motivation nur in der Maximierung des eigenen Gewinns besteht.
Michèle Lamont
Michèle Lamont ist Professorin für Soziologie, European Studies und African und African American Studies an der Harvard University. Neben ihrer Position in Harvard ist sie Fellow des Canadian Institute for Advanced Research, dessen Forschungsprogramm „Successful Societies“ sie seit 2002 leitet. Lamont ist regelmäßiger Gast an renommierten internationalen Forschungseinrichtungen. Sie lehrte u.a. an der EHESS in Paris und war Gastprofessorin an der Universität von Tel Aviv, weitere Einladungen führten sie an die Sciences Po in Paris und das Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung.
In ihren Arbeiten analysiert die Kultursoziologin, wie sich Vorstellungen von Moral und Zugehörigkeit auf soziale Hierarchien und Ungleichheiten zwischen Menschen und Gruppen auswirken. Lamont hat über achtzig Aufsätze veröffentlicht und ist Herausgeberin von zwölf Sammelbänden und Autorin dreier preisgekrönter Bücher. Darin untersuchte sie die Klassen- und Moralvorstellungen von Angehörigen der oberen Mittelschicht in den USA und Frankreich, das Selbstverständnis von Mitgliedern der Arbeiterklasse und die Praktiken zur Feststellung akademischer „Exzellenz“. Sie prägte maßgeblich die aufkommende Kultursoziologie in den USA und wurde insbesondere für ihren kulturvergleichenden Ansatz ausgezeichnet.
Lamont nimmt eine einzigartige Beobachtungsposition ein, in der sich das Studium europäischer und afroamerikanischer Kultur kreuzen. Die theoretischen Grundlagen der kulturvergleichenden Ungleichheitsforschung hat sie wesentlich mitentwickelt. Ihre Forschungen werden von der Soziologie, der Politikwissenschaft, der Ethnologie und der Wissenschaftsforschung aufgegriffen, aber auch über die Grenzen der Wissenschaft hinaus beachtet. Michèle Lamont war Mitglied des Haut Conseil de la Science et de la Technologie der französischen Regierung und im wissenschaftlichen Beirat der Sciences Po. Sie ist außerdem Beraterin der Weltbank und der UNESCO.
Maciej Lewenstein, geboren 1955, hat in Warschau studiert und an der Universität Essen promoviert. Er war Mitglied des Zentrums für Theoretische Physik der Polnischen Akademie der Wissenschaften. Ab 1995 war er am Service des Photons, Atomes et Molécules der staatlichen französischen Forschungseinrichtung Commissariat à l’Énergie Atomique (CEA) tätig, und ab 1998 lehrte und forschte er an der Universität Hannover. Seit 2005 leitet er als ICREA-Professor die Quantenoptik-Theoriegruppe am Institute of Photonic Sciences in Castelldefels bei Barcelona.
Grundlegende Arbeiten, die mit seinem Namen verbunden werden, untersuchen die Wechselwirkung von Atomen mit Laserpulsen bei höchsten elektrischen Feldstärken. Diese Forschungen haben zu einem neuen Verständnis des emittierten Lichtspektrums beigetragen und sind auch für die stark wachsenden Bereiche von ultrakurzen Laserpulsen, von Frequenzkämmen bis in den Vakuum-UV-Bereich sowie für die Wechselwirkung von Atomen mit sehr starken elektromagnetischen Feldern bedeutend. Im aktuellen Forschungsgebiet der Quantensimulation sind Lewensteins Beiträge von großer Originalität geprägt. Sie erstrecken sich auf die Simulation von Phänomenen, wie sie für die Vielteilchen-Festkörperphysik, aber auch für Fragen der Hochenergiephysik relevant sind.
Das GFK und die JGU Mainz streben mit der Preisverleihung eine Intensivierung der Forschungskooperation auf dem Feld der Quantensimulation, einem hochaktuellen Forschungsgebiet, an und erwarten Anregungen für die – auch in Mainz traditionell starke – Festkörperphysik. Zusätzlich eröffnet Prof. Lewenstein der Quantensimulation eine Perspektive für die Bearbeitung von Problemen, die in der Hochenergiephysik von Interesse sind. Damit wird eine Brücke geschlagen zu einem weiteren Schwerpunkt der Physik in Mainz, dem Exzellenzcluster PRISMA, bei dem fundamentale Wechselwirkungen untersucht werden.
Der Gutenberg Research Award 2012 wurde an den international renommierten Sprachwissenschaftler Leonard Talmy verliehen. Talmy, der bis zu seiner Emeritierung im Jahr 2005 an den Universitäten in Stanford, San Diego, Berkeley und Buffalo lehrte, gilt als einer der Gründerväter der kognitiven Linguistik und hat weit über die sprachwissenschaftlichen Disziplinen hinaus Anerkennung für seine bahnbrechenden Forschungen erhalten. Zu seinen bekanntesten Arbeiten zählen seine Dissertation zur inzwischen ausgestorbenen Sprache Atsugewi, deren letzter Sprecher er ist, sowie Studien zur Motion Typology, zur sprachlichen Repräsentation von Raumkonzepten und zu Lexikalisierungsmustern. Des Weiteren hat er ein mit neurowissenschaftlichen Erkenntnissen kompatibles evolutionsbasiertes Modell der Kompositionalität in der Sprache entwickelt und Studien zum kognitiven System der Kultur und zur Erzählstruktur veröffentlicht.
Zwischen dem Department of English and Linguistics der Johannes Gutenberg-Universität Mainz und Leonard Talmy bestehen seit einigen Jahren enge Verbindungen und Kooperationen. Er hat, abgesehen von intensiven und schon lange andauernden Kontakten zu einzelnen Mitgliedern des Departments, an Habilitationsverfahren des Departments mitgewirkt und hielt 2009 eine Vortragsreihe und verschiedene Seminare; er war Kooperationspartner und Consultant eines Einzelprojekts im Rahmen des interdisziplinären, inneruniversitär geförderten Forschungsprojekts zu „Determinanten sprachlicher Variation“.
Das GFK ist als Kolleg in Form einer Gemeinschaft von Fellows, das heißt exzellenten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern, angelegt. Dem Leitungsgremium gehören Mitglieder der JGU und externer, eng kooperierender Forschungseinrichtungen an. Das Leitungsgremium fällt alle Entscheidungen, die das GFK betreffen, insbesondere entscheidet es über Vorschläge an die Präsidentin oder den Präsidenten über die Aufnahme von Fellows und über deren finanzielle Ausstattung. Der wissenschaftliche Beirat begleitet die Arbeit des GFK und berät das Leitungsgremium.
Die Mitglieder des Leitungsgremiums werden vom Präsidenten im Einvernehmen mit dem Senat ernannt. Vorschlagsberechtigt sind die Fachbereiche, die künstlerischen Hochschulen sowie forschungsintensive Bereiche der JGU. Die Wahl des wissenschaftlichen Beirats erfolgt durch das Leitungsgremium. Wie für die GFK-Fellows ist auch die Mitgliedschaft im Leitungsgremium und im Beirat zeitlich begrenzt. Eine Wiederwahl nach Ablauf der dreijährigen Mitgliedschaft ist in der Regel einmal möglich.
Direktorin: Prof. Dr. Mita Banerjee
Stellvertretender Direktor: Prof. Dr. Tobias Bopp
Studentisches Mitglied
Forschungsschwerpunkte: Geschichte der Mathematik und Rechentechnik, analoge Recheninstrumente des 19. und 20. Jahrhunderts mit Schwerpunkt harmonische Analyse
- 15. Juni (Präsentation in Sitzung des Leitungsgremiums im Juli)
- 15. Dezember (Präsentation in Sitzung des Leitungsgremiums im Januar)
- 27. April 2026
- 8. Juni 2026
- 13. Juli 2026 (Präsentation neuer Anträge für GFK-Fellowships)
- 18. Mai 2026: GFK-Jahresfeier: Verleihung des Gutenberg Research Award 2026 und Begrüßung neuer GFK-Fellows